Home is where…wir das Wichtigste über Sexualität und Beziehungsgestaltung lernen
Viele Menschen stellen sich beim Stichwort Sexualerziehung noch immer vorrangig den Unterricht in muffigen Schulanbauten neben dem Herbarium oder der ausgestopften Krötensammlung vor. Doch tatsächlich ist der aktuell relevanteste Ort der Sexualerziehung für junge Menschen das heimische Wohlzimmer. Laut einer Umfrage zum Thema Jugendsexualität sind Eltern die wichtigsten Ansprechpartner bei Fragen zu sexueller Aufklärung und Verhütung (1). Mütter spielen dabei tendenziell für Mädchen und Väter für Jungen eine bedeutendere Rolle.
Die Rolle der Erwachsenen
Ich finde diese Ergebnisse überaus erfreulich. Es ist toll, wenn junge Menschen es schaffen, zu Hause offen über solch relevante Themen wie die eigene Sexualität zu sprechen. Berücksichtigt werden muss in dieser Aussage zwar auch, dass es Einflussfaktoren wie die religiöse Zugehörigkeit oder den kulturelle Backround gibt, die es manchen Jugendlichen erschweren offen mit ihren Eltern zu sprechen. Doch als positive Ergänzung scheinen speziell diese Gruppen sich in größerer Zahl an Pädagog*innen in ihrem Umfeld zu wenden. Sprich, Junge Menschen finden ihren Weg für sich relevante Infos zu erhalten. Und zum Glück nicht nur im tricky Social-Media-Universum. Yes!!!
Das who is who der Sexualpädagogik?!
Das Stichwort in diesem Zusammenhang lautet Sexualerziehung/Sexualpädagogik. Doch welche Themen lassen sich diesen Begriffen eigentlich unterordnen? Die Antwort darauf kann je nach Quelle und Gesprächspartner*in sehr unterschiedlich ausfallen. Ich würde die wichtigsten Aspekte der Sexualpädagogik wie folgt zusammenfassen:
- Die biologische Ebene mit Funktionen des Körpers (Sinne; Körperteile, Hormone) und den zugehörigen korrekten Begriffen.
- Die reproduktive Ebene über die Entstehung von Schwangerschaften, deren Verhütung aber auch der Möglichkeit, dass diese gewollt oder ungewollt abbrechen können.
- Die emotionale Ebene, zu der ich Verbundenheit, Freundschaft, Liebe und Lust zählen würde.
- Die Ich-Ebene, die ein Verständnis für meinen Körper, meine Wünsche, Vorlieben/Präferenzen und Grenzen einfasst.
- Die Beziehungsebene, mit den Fragen „Was für Beziehungen gibt es in meinem Leben?“; „Was wünsche ich mir körperlich und emotional von welchen Beziehungen“ und „Welche Möglichkeiten und Grenzen gibt es für mich in der Beziehungsgestaltung?“.
- Die Ebene der anderen, mit den Fragen nach der Unterschiedlichkeit/ Diversität der Menschen und dem Verständnis Bedürfnissen sowie den Grenzen anderer Menschen.
- Die medizinische Ebene, mit Hintergrundwissen zu sexuell übertragbaren Krankheiten und der Körperkompetenz zu erkennen, was Zeichen von Gesundheit sind und wann medizinische Unterstützung notwendig ist.
- Die praktische Ebene: Was konsumiere ich (Pornos, „Hollywood-Liebesfilme“); Wie flirte ich; Wie erfahre ich was sich mein Gegenüber wünscht; Wie kommuniziere ich meine Bedürfnisse?
- Die Reflexionsebene als Fähigkeit das Erlebte in Bezug auf Sexualität und meine Beziehungen zu hinterfragen und positiv zu verändern. Aber auch gesellschaftliche und kulturelle Vorgaben zu erkennen und ggf. zu hinterfragen.
Was denkt ihr? Habe ich damit alles wichtige zum Thema Sexualpädagogik und Beziehungsgestaltung zusammengefasst? Und nun interessiert mich noch, wo seht ihr eine besondere Verantwortung in eurer Rolle als Vorbild für junge Menschen?
Schreib mir gerne deine Ergänzungen und Gedanken! Ich freue mich auf einen Austausch.
Liebst,
Laura von Blut&Rausch
- https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/9880/JHealthMonit_2022_02_Sexualaufklaerung_BZgA.pdf?sequence=1&isAllowed=y
