#1 Blut&Rausch – Was hättest du gerne früher gewusst?

Ich bin Laura, Sozialarbeiterin mit sehr viel Erfahrung im Bereich Sexualpädagogik und Suchtprävention sowie Gründerin von Blut&Rausch. Mein Motto lautet „Tabus überwinden – Gesundheit fördern“. Ich führe gesundheitspräventive Angebote zum Thema „Frauen-/Zyklusgesundheit“ und „Suchtprävention mit Fokus auf Substanzkonsum“ durch. Dabei konzentriere ich mich besonders auf Eltern und alle die erziehen. Aber auch Fachkräfte die mit vorrangig jungen Menschen pädagogisch oder anderweitig eng zusammenarbeiten. Das große Ziel ist es sie als Multiplikatoren und Multiplikatorinnen mit ins Boot zu holen, damit sie selbst aktiv werden können, um besagte Themen für die Zukunft „salonfähiger“ zu machen. Endlich raus aus der Schmuddelecke, hin zu tabubefreiter Aufklärung und Informationsweitergabe. Yeah!!!

Gesundheitsthemen ignorieren – Wieso eigentlich?

Seit ich mich mit den beiden Themen beschäftige, habe ich schon viele unfassbar witzige Anekdoten über Biologieunterricht, entsprungen aus dem 18Jahrhundert gehört. Oder mir wurde von Elternteilen berichtet, die in Momenten der Konfrontation mit einem Familienmitglied in der „Entzugsklinik“ panisch den Raum verließen, um einem Gespräch über Konsum und Sucht im familiären Umfeld zu entgehen. Ich liebe witzige Geschichten, was mir aber zu denken gibt, ist das Muster, welches dahinter liegt. Denn ich schätze die meisten von euch haben selbst Ähnliches zu berichten oder kennen ebenso Hemmungen bezüglich der beiden Themen. 

Aber warum eigentlich? Für mich heute ganz klar, es handelt sich um sogenannte Tabuthemen. Wikipedia erklärt uns das Wort Tabu wie folgt: „Ein Tabu beruht auf einem stillschweigend praktizierten gesellschaftlichen Regelwerk bzw. einer kulturell überformten Übereinkunft, die bestimmte Verhaltensweisen auf elementare Weise gebietet oder verbietet“. Auch wenn sich einiges tut, unser gesellschaftliches Regelwerk sieht im Status quo einen offenen, alltäglichen Austausch über den Menstruationszyklus (als ein Aspekt von Frauengesundheit) aber auch über das Thema Sucht im Grunde nicht vor. Wenn ihr das nicht glaubt, dann fragt doch mal eure Nachbarin zu welchem Schluss sie bei ihrer letzten Konsumreflexion kam.

Der hohe Preis der Tabuthemen​

Das ein gelassener Umgang mit beiden Themen für viele Menschen schwierig ist, ist bedauerlich, denn beides sind ganz zentrale Aspekte des menschlichen Lebens. Beide sind eng mit unserem Wohlbefinden und unserer Gesundheit verbunden. Und in beiden Fällen kann Nichtwissen oder ein mangelndes Bewusstsein ernste Folgen für uns persönlich aber auch für unsere Gesellschaft haben (ich sag nur 57,4 Milliarden Euro direkter und indirekter Kosten pro Jahr in Deutschland durch den Konsum von Alkohol) (1).
Aber warum tabuisieren wir wichtige Themen eigentlich? Tabus sind häufig verknüpft mit Nichtwissen; mit aufgeschichteten familiären Erfahrungen und Traumata. Aber auch schrägen Vorurteilen und Mythen. Und so wird ein Schuh draus. Wer redet denn schon gerne über unreinen Ausfluss des „schwachen Geschlechts“ (Menstruationsblut), der zu allem Übel auch noch Lebensmittel faul werden lässt, sollte er (wie auch immer?) mit ihnen in Berührung kommen (2)? Fairerweise ist dieser Mythos heute nicht mehr allzu geläufig, doch ich wette ihr alle habt in diesem Moment eine ähnlich absurde Geschichte im Hinterkopf. Und dass wir Menschen Themen, die uns nicht behagen gerne ignorieren oder aufs Nötigste reduzieren ist wohl kein Geheimnis.

Reden ist Silber, (ver)Schweigen ist scheiße

Doch leider ist es am Ende doch nicht so leicht mit dem Nicht-Reden. Es hat einiges an beruflicher Erfahrung gebraucht, bis ich verstanden habe, dass gesellschaftlich und familiär tabuisierte Themen zwar gerne unter den Teppich gekehrt werden, uns am Ende aber dann doch gewissermaßen immer wieder einholen und heimsuchen, sollten wir sie zu lange ignorieren. Wer nicht weiß, dass starke Schmerzen während der Menstruation nicht normal sind, der verschwendet nicht nur Lebenszeit, sondern verpasst möglicherweise die Chance entstehende Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Und wer nicht weiß wie eine Sucht entsteht, hat wenig Anhaltspunkte, um sich und seinen Konsum kritisch zu hinterfragen. Mein Wunsch ist es, dass wir zukünftigen Generationen beibringen, dass es das normalste der Welt ist über alle gesundheitlich relevanten Themen offen zu sprechen.

Das bekommen wir schon hin

Diesen Blog werde ich entsprechend dafür nutzen Fachwissen mit euch zu teilen, zu überlegen wie diese beiden Themen von klein auf altersgerecht in der Erziehung teilhaben können. Und was uns dabei helfen kann unsere eigene Haltung zu den beiden Themen zu hinterfragen. Also seid gespannt und freut euch auf akzeptanzorientierte Suchtprävention und einen pädagogischen Blick auf Frauen-/Zyklusgesundheit für euren erzieherischen Alltag, handlich zubereitet von Blut&Rausch. 

(1) https://www.dhs.de/suechte/alkohol/zahlen-daten-fakten/
(2) https://www.biorama.eu/irrtuemer-menstruation/