Fruchtbarkeit als Gesundheitskompetenz Part I – Warum dieses Thema einen festen Platz in der Sexualpädagogik verdient
Im letzten Artikel #3 habe ich verschiedene Ebenen der Sexualpädagogik/ sexuellen Bildung beschrieben: von der biologischen und reproduktiven Ebene über Beziehungen und Gefühle bis hin zur Frage, wie wir lernen können, die eigenen Bedürfnisse und Grenzen wahrzunehmen und zu kommunizieren. Sexuelle Bildung ist also mehr als viele Menschen sich darunter vorstellen. Ich denke sie liefert einen optimalen Rahmen um das Thema Gesundheitsförderung zu thematisieren. Und das sowohl auf körperlicher, als auch auf seelischer Ebene.
Und damit bin ich auch bei meinem Lieblings- sowie Schwerpunktthema angelangt: die Fruchtbarkeit als Zeichen von Gesundheit. Dabei betrifft Fruchtbarkeit für mich weit mehr als die Frage, ob jemand Kinder bekommen möchte oder nicht. Fruchtbarkeit ist zunächst einmal ein Ausdruck davon, wie unser Körper funktioniert. Sie liefert Informationen über unsere Gesundheit, unsere Hormone und unser allgemeines Wohlbefinden. Genau deshalb möchte ich diesem Thema in meiner Arbeit einen besonderen Stellenwert geben.
Körperkompetenz als Grundlage für Selbstbestimmung
Ein zentrales Ziel von Sexualpädagogik ist für mich die Förderung von Körperkompetenz. Körperkompetenz bedeutet, die Signale des eigenen Körpers wahrnehmen, verstehen und einordnen zu können. Wer seinen Körper kennt, kann bewusster Entscheidungen treffen. Das gilt für Ernährung, Bewegung und Gesundheit ebenso wie für Sexualität und Fortpflanzung. Viele Menschen lernen in der Schule, wie eine Schwangerschaft entsteht. Deutlich seltener lernen sie jedoch, welche Zeichen ihr Körper ihnen täglich sendet. Menschen mit Menstruationszyklus können beispielsweise beobachten:
* Veränderungen des Zervixschleims
* den Zeitpunkt des Eisprungs
* die Zykluslänge
* Veränderungen der Blutung
* körperliche und emotionale Veränderungen im Verlauf des Zyklus
Diese Beobachtungen liefern wertvolle Informationen über die hormonelle Gesundheit und können Hinweise auf Belastungen oder gesundheitliche Veränderungen geben. Körperwissen schafft dabei etwas sehr Wertvolles: Unabhängigkeit. Wer die Vorgänge im eigenen Körper versteht, ist weniger darauf angewiesen, Entscheidungen ausschließlich an andere Menschen oder Institutionen abzugeben.
Fruchtbarkeit und Geschlechtergerechtigkeit
Ein weiterer Grund, warum mir dieses Thema wichtig ist, betrifft die Frage der Geschlechtergerechtigkeit.
Betrachtet man die Verantwortung für Verhütung, Schwangerschaft und reproduktive Gesundheit, wird schnell deutlich, dass diese gesellschaftlich noch immer überwiegend bei Frauen verortet wird. Viele Frauen kennen die Erfahrung, dass sie über Jahre hormonell verhüten, Arzttermine organisieren, ihren Zyklus dokumentieren und sich mit möglichen Nebenwirkungen auseinandersetzen. Gleichzeitig sind offiziellen Zahlen zufolge 70% der Männer bereit mehr Verantwortung in Sachen Verhütung zu übernehmen. Aus meiner Sicht braucht es hier mehr gemeinsames Wissen. Wer versteht, wie Fruchtbarkeit funktioniert, kann Verantwortung besser teilen. Das gilt für die Verhütung ebenso wie für Familienplanung, Kinderwunsch oder die Unterstützung von Partner*innen bei gesundheitlichen Herausforderungen.
Geschlechtergerechtigkeit bedeutet für mich nicht, dass alle Menschen die gleichen Erfahrungen machen. Sie bedeutet vielmehr, dass alle Menschen Zugang zu Wissen erhalten und Verantwortung gemeinsam getragen werden kann.
Fazit
Wir Fachkräfte haben die Aufgabe über die alltäglichen Themen der unterschiedlichen Menschen in ihren Lebensphasen Zugänge zu finden, um über die verschiedenen Themen innerhalb der sexuellen Bildung sprechen zu können. Dabei geht es ganz viel um Werte.
Für mich ist unser Körper der ideale Zugang um (aus sexualpädagogischer Perspektive) zu fragen, wie wir eigentlich (miteinander) leben möchten. Wie verstehe oder behandel ich mich selbst? Wie gehe ich mit anderen um? Was finde ich schön und was möchte ich lieber nicht? Unser Körper ist die große Gemeinsamkeit, die uns dabei alle verbindet. Er trägt uns alle durchs Leben und ohne ihn wäre Nichts denkbar. Und mit das Beste ist, er kommuniziert ununterbrochen mit uns. Wir müssen bloß lernen seine Signale zu verstehen.
Fruchtbarkeit als Zeichen von Gesundheit ist dahingehend nur ein Ausschnitt. Jedoch einer bei dem es sich lohnt genau hinzuschauen. Und genau dabei möchte ich in meinen Angeboten der sexuellen Bildung unterstützen.
Nun kennst du (zum Teil) meine Gedanken darüber, was Fruchtbarkeit mit Gesundheitskompetenz und weiterführend mit sexueller Bildung zu tun hat. Was sind deine Gedanken zu diesem Thema? Wie vertraut bist du mit deinem Körper?Schreib mir gerne!
Im Part II dieser kurzen Reihe zum Thema Fruchtbarkeit als Zeichen von Gesundheit erfährst du mehr zum Thema und lernst meine Arbeit besser kennen.
Also bis dahin =)
Liebst,
Laura von Blut&Rausch
